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Hannoversche Allgemeine Zeitung

Veronika Thomas
24.01.2004, Nr. 20

Hannoversche Allgemeine Zeitung
Rubrik: Bauen & Wohnen
vom 24.01.2004 - Nr. 20



Was fängt eine vierköpfige Familie mit einem geerbten Siedlungshäuschen aus dem Jahr 1934 an, das nur eine Grundfläche von 60 Quadratmetern bietet? Abreißen? Das auch nicht. Schließlich gab es bereits ein angebautes Badezimmer und den für diese Häuser typischen Vorbau für den Hauseingang. Familie Gottstein aus dem hannoverschen Stadtteil Sahlkamp entschied sich auf anraten ihres Architekten Jan Steffen quasi für die Verdoppelung ihres Häuschens. Ein gleich großer Neubau wurde neben das alte Häuschen gesetzt. Beide Teile wurden durch ein dazwischen gesetztes, verglastes Treppenhaus verbunden. Das 845 Quadratmeter große Grundstück ließ eine solche Erweiterung zu.
Das Resultat: ein großzügig geschnittenes Haus mit einer Gesamtwohnfläche von 185 Quadratmetern (einschließlich Dachgeschoss), das seinen Bewohnern viel Platz und Komfort bietet und trotz aller Modernität noch an seine Wurzeln erinnert. Der alte Kachelofen nämlich, der einst das darüber liegende Wohnzimmer jahrzehntelang beheizte, steht noch heute an seinem Platz und verrichtet seinen Dienst. Nur dass sich an dieser Stelle heute die Küche befindet. Die Risse in einigen Kacheln sind keine Schäden, die beim Umbau entstanden sind, sondern „Kriegsverletzungen“, wie Hausherr Günter Gottstein erzählt. Sein Großvater hatte dieses Haus 1934 für 10 000 Reichsmark gebaut. Gottsteins wuchsen hier auf, bis zu sechs Personen lebten zeitweilig in dem so genannten Kleinsiedlungshaus.
Für die Erweiterung wurde der Altbau zunächst auf seine alte Grundform gebracht und in den Zustand eines Rohbaus versetzt. Das heißt, die Anbauten wurden bis auf die daneben stehende Garage abgerissen. Der Grundriss blieb aber im Wesentlichen erhalten,. Nur eine Wand wurde herausgenommen und durch einen Träger ersetzt, eine weitere Wand um die Hälfte gekürzt. Dadurch bilden Küche und Essbereich jetzt eine harmonische und großzügige Einheit.
Der Altbau wurde einschließlich des Kellers komplett gedämmt und erhielt ein neues Dach, so dass er heute den Standard eines Neubaues erfüllt. Modelleisenbahnfan Gottstein, der hier unten gleich zwei solcher Anlagen aufgebaut hat, schätzt den gedämmtem Keller sehr. “Früher waren diese Räume immer sehr kalt“, erzählt er. „Jetzt ist es selbst ohne Heizung angenehm temperiert.“ Im alten Teil des Hauses verblieb- schon wegen der Nähe zur Straße – de gesamte Technik wie Wasser – und Abwasseranschlüsse und die Heizungsanlage. Die beiden Bäder, die Küche sowie die Elektrik wurden komplett erneuert.
Parallel dazu wurde der Neubau errichte, voll unterkellert wie der Altbau auch, allerdings mit einem etwas anderen Grundriss, der ein Wohnzimmer von etwa 50 Quadratmeter Größe im Erdgeschoss möglich macht. Von hier aus führt eine Holztreppe in den Garten mit einem neu angelegten Teich. Ein 7,50 Meter langer Steg mit Holzplanken vor der gesamten Wohnzimmerfront dient als Sitzplatz und vermittelt ein wenig maritimes Flair. Auch die Zimmer für die beiden elf und 15 Jahre alten Söhne im Dachgeschoss von jeweils 20 Quadratmetern Größe plus einer kleinen Galerie zum Schlafen im Spitzboden sind im Neubau untergebracht.
Die Dächer beider Baukörper erhielten zudem auf jeder Dachseite eine Gaube, was nicht nur mehr Licht und Platz schafft, sondern die Symmetrie des gesamten Baukörpers zusätzlich unterstreicht. Das Gleiche gilt für die im Erdgeschoss angeordneten Fenster.
Verbindendes Element zwischen dem Altbau und dem gleichberechtigt daneben stehenden Neubau ist das verglaste Treppenhaus. Das Wechselspiel von satinierten, fest verglasten Feldern und klaren, durchsichtigen Fenster- und Türflügeln erlaubt interessante Ein- und Ausblicke, ohne die Privatsphäre dadurch preiszugeben. Die vielen Glasflächen geben dem Haus zusätzlich Transparenz und ein Gefühl von Weite. Im Kontrast zu den beiden Hausteilen mit ihren klassischen Satteldächern hat des Treppenhaus nur ein leicht geneigtes Flachdach.
Bleibt die Frage nach den Bau- und Umbaukosten. „So viel , wie ein ganz normaler Neubau in dieser Größenordnung gekostet hätte, abzüglich der Rohbaukosten für den Altbau“, sagt Günter Gottstein etwas zurückhaltend.

Veronika Thomas